Sparringspartner, Order of Battle und anderer Kram

Heute, im gefühlt hundertsten Briefing/ Meeting/ VTC, mußte ich nochmal über das plötzliche und unvermittelte Ableben zahlreicher deutscher Milblogs nachgegrübeln. Ich hatte ja gestern schon angedeutet, dass sich ein gewisses Unwohlsein angesichts deren Verschwinden schon deswegen einstellt, weil mir plötzlich mehrere Informationsquellen weggebrochen sind, auf die ich eigentlich sehr ungern verzichten möchte. So ungefähr als müsste man seine persönliche Komfortzone verlassen und unvermittelt mit dem auskommen, was jetzt noch auf dem Markt ist. Vielen Kommentatoren drüben bei Augen Geradeaus! geht das offensichtlich genauso — die Kommentare dort sprechen für sich.

Vielleicht, und damit schließt sich mein langatmiger Lede, sollte ich noch zwei Aspekte hinzufügen. Der erste wird (freilich in einem anderen Zusammenhang) in der aktuellen Ausgabe des Griephan-Briefes (04/10) angesprochen. Er lässt sich aber auf das hier zu behandelnde Thema nahtlos übertragen. Dort heißt es: "Die Bundeswehr hat Anrecht auf einen intellektuellen "Sparingspartner" für die Fragen, die sie als Armee im Einsatz umtreiben: Umfang, Ausrüstung, Gliederung." Die Milblogs (und in diesem Zusammenhang muss man auch Geopowers erwähnen) waren in der Vergangenheit vielfach genau das: Sparingspartner, die in bestimmten Themenfeldern die sicherheitspolitische Diskussion in Deutschland aufnahmen und vorantrieben. Ihr Fehlen wird mit jedem Tag evidenter werden. Und mal unter uns gefragt: wollen wir uns wirklich mit Herfried Münkler und Michael Stürmer zufriedengeben?  Come on.

Der zweite Aspekt hängt mit dem ersten zusammen. Als US-affiner Beobachter war und bin ich davon fasziniert, welche wichtige Rolle Mil-Blogs in den Vereinigten Staaten spielen. Namedropping: Small War Journal hatte in einigen Bereichen einen Einfluss, der gar nicht unterschätzt werden kann, zB bei der (Fort-)Entwicklung der COIN. Unerfreulicherweise haben wir so etwas in Deutschland nicht. Liegt es wirklich nur daran, dass wir in Deutschland, wie die Süddeutsche Zeitung heute schreibt, unsere Ruhe haben wollen, wenn es um sicherheitspolitische Themen geht? ‘Nuff said.

Um, was ich eigentlich sagen wollte, ist folgendes: nach Konsultation und Koordination mit allen relevanten Beteiligten, habe ich mich entschlossen, die bei Augen Geradeaus vor langer Zeit angefangene Schlachtordnung (Order of Battle) für die verschiedenen Counter-Piracy Operationen am Horn von Afrika fortzuführen und soweit möglich auf einem aktuellen Stand zu halten. Das entspricht nicht nur meiner (beruflich begründeten) Vorliebe für maritime Operationen, sondern ist auch der Tatsache geschuldet, dass dies eines der wenigen Themenfelder ist, auf dem ich einigermaßen mitreden kann (Disclosure: ich trage einen grauen Dienstrock). Sämtliche Informationen stammen aus offenen, im Internet verfügbaren Quellen, also kein klassifiziertes Material. Von daher bin ich auch über Anregungen, Beschwerden und Hinweise zur OOB dankbar.

Genug geschwätzt, let’s take it away:

EU-Mission Atalanta (Task Force 465)
Italien – Einsatzgruppenversorger Etna ( Flaggschiff und Force Headquarters)
Spanien – Fregatte Navarra, Seefernaufklärer Orion P-3ADeutschland – Fregatte Bremen
Deutschland – Fregatte Emden
Frankreich -  Fregatte Surcouf
Griechenland – Fregatte Salamis
Luxemburg – Seeaufklärer (Zivilfirma im Auftrag der luxemburgischen Regierung)

NATO-Operation Ocean Shield (Task Force 508)
Dänemark – HDMS Absalon (zugleich Flaggschiff)
USA – USS Boone
Kanada- Fregatte Fredericton
Großbritannien – HMS Chatham

Combined Task Force 150 (Operation Enduring Freedom, Anti-Terror)
Deutschland – Fregatte Augsburg
Pakistan – Fregatte Babur
Großbritannien – Fregatte Lancaster
USA – Zerstörer Carney
Australien – Fregatte  Stuart

Combined Task Force 151 – Anti-Piraterie
USA – Zerstörer McFaul, Porter, Farragut
Türkei – Fregatte Gokova
Pakistan – PNS Khaibar

Combined Task Force 53 – Versorgung (Stand: Dezember 2008)
Großbritannien – Versorger Bayleaf
USA -  Schlepper Catawba,  Tanker Tippecanoe, Kanawha, Unterstützungsschiff/Versorger Bridge, Versorger Amelia Earhart

Unter nationalem Kommando – National Tasking
USA – Orion P-3C Seefernaufklärer, Reaper-Drohnen
China:  Fregatten Wenzhou, Maashan, Versorger Qiandoa-Hu
Japan – Zerstörer Takanami, Hamagiri, Orion P-3C Seefernaufklärer
Russland – Fregatte Neustrashimy, Versorger Lena, Zerstörer Admiral Chabanenko (auf dem Weg zurück in den Heimathafen)
Iran – offiziell nur Versorger Busheur, Fregatte Alborz. Im Zulauf: Unterstützungsschiff Lavan (Hengham-Klasse, LSL 514), Chiro 
Indien – Fregatte Talwar

Mittwoch, Januar 27th, 2010 Allgemein

3 Kommentare to Sparringspartner, Order of Battle und anderer Kram

  1. Ich stimme Ihrem Beitrag vollkommen zu und freue mich, dass die OOB bei Ihnen eine neue Heimat gefunden hat!

  2. Janosch on Januar 27th, 2010
  3. [...] der bereits oben kurz erwähnte Alien-Freund entschlossen, die von Thomas Wiegold begonnene Order of Battle für die Anti-Piraten-Missionen am Horn von Afrika fortzuführen. Stephan Löwenstein von der [...]

  4. Bendler-Blog » Blog Archive » Shock and Awe in Blogistan on Januar 28th, 2010
  5. Moin Moin,
    endlich wieder gute Infos
    “BZ”
    Gruß Rollo

  6. Rollo on Januar 28th, 2010

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